Das Freiburger NS-Dokumentationszentrum ist nun seit Januar 2026 öffentlich zugänglich und bietet, dem Colombipark zugewandt, eine schöne, harmonisch ausgewogene Schau mit einigen ausgewählten Zeitzeugen.
Darunter ist auch Hans-Jörg Risse, der von seinen Kinheitserfahrungen in der Nachkriegszeit erzählt. Da Hans-Jörg Risse, der Cousin meines Großvaters Wolfgnag Ritzel, dabei aber eher, altersbedingt, Cousin meines Vaters Ulrich Ritzel ist, auch als Nachlaßverwalter von Hildegard Fath wirkte, der Privatsekretärin von Rudolf Heß, möchte ich die Gelegenheit ergreifen, einige Fragen an Hans-Jörg Risse zu richten und so auch wenn ich vielleicht keine Antwort bekomme, doch indirekt die Freiburger Dokumentation um einiges Ungesagte erweitern.
Hans-Jörg Risse hatte mir diese Information selbst gegeben, als wir vor über 10 Jahren miteinander telephonierten - und er bat mich, seine Grüße an meinen Vater auszurichten. Ich hatte mir die Freigabe weiterer Dokumente erhofft, denn die Unterlagen, welche Informationen zum familiären Umfeld meines Großvaters Dr.Wolfgang Ritzel enthalten, sind spärlicher und bestehen hauptsächlich in der Kopie einer Abschrift des Tagebuchs von Mathilde Fath, Großmutter und Urgroßmutter der beiden.
Ich hatte diese meine Kopie bereits dem Freiburger ( wie dem Pforzheimer) Stadtarchiv angeboten udn aus versucht, das Institut für Zeitgeschichte dafür zu interessieren.Doch die Kopie - und erst recht eine Kopie - eines Dokumentes (welches darauf schliessen lässt, dass es weitere Kopien desgleichen Dokumentes gibt) - ist für ein Archiv nicht viel wert: man besteht auf Originalität und Exklusivität.
Dazu kommt, zumindest im Falle von Hildegard Fath, der einschränkende Hinweis, daß sie womöglich nicht als "Freiburgerin" zu betrachten ist, sondern vielleicht eher als Münchnerin...oder .....
Daß sie jedoch in ihren Freiburger Jahren und sie sich selbst mit einem Bezug zu Freiburg betrachtet haben könnte, sei, meine ich der Postkarte zu entnehmen, die sich heute im Bundesarchiv, im Nachlass des Geopolitikers Karl Haushofer befindet.
Es ist auffallend, offensichtlich nur mir allein auffallend, dass Hildegard Fath, als sie die Postkarte verwendet, dies in genau in dem Moment tut, an dem sich der General anschickt, eine neue Ruinde im KL dachau abzusitzen, dei seinem Sohn Albrecht einige Monate später das Leben kosten wird, nämlich nach dem 20.Juli 1944.
Es scheint, als wollte sie sagen, dass sie eh nicht "da war", nicht zugehörig ... und dass der Brief, den sie solange schon, über 3 Jahre auf ihrem Schreibtisch liegen hatte, auch "keiner" war - doch nun, eine Variation nach Edgar Allan Poe, nun endlich, mit Verlaub und viel Entschuldigung dem General hinterherschickte.
Keine Freiburgerin zu sein, muß auch eine mich charakterisierende Eigenschaft sein, denn in den letzten 20 jahren, die ich nun in dieser Stadt wohne, trotz aller Recherchen im universitätsarchiv, zu Martin Heidgeger, zu Edmund Husserl, habe ich und meine Informationen es nicht zu der kleinsten Würdigung geschafft.
Daß Hildegard Fath jedoch Privatsekretärin war, wurde mir von meinem Vater bereits 1974?..1975..?1977? mitgeteilt, als wir zusammen Fath'sche Familienfeste feierten. Es istTeil einer "Oral history", die mein kindliches oder nichtwissenschaftlich geformtes Vorwissen prägt, noch bevor ich mir überlegen kann, ob es, neben dem Wissen von...."Dass Hildegard Fath Hessens Privatsekretärin war", und der Kopie eines Tagebuches (das zudem zuerst das Buch eines anderen war) noch andere Möglichkeiten gibt, Zeitzeugenschaft fruchtbar werden zu lassen. Denn darum geht es ja.
Da Mathilde Fath, nach meinen "fiktiven" oder noch als "hypothetisch anzusehenden" Tagebuch der Mathilde Fath behauptete, Rudolf Hess habe sie unter anderem im September 1934 in Freiburg über mehrere Tage hinweg besucht, dachte ich, es sei sinnvoll, nochmals das Freiburger Stadtarchiv um Hinweise zu bitten. Dabei hatte ich an Bilder in der Freiburger Zeitung, an den Jubel in den Strassen, an Bidler der Landwirtschaftsausstellung in Breisach gedacht und
Hassattacke. Nicht zu löschende Leerstelle
Mathilde Fath, Abschrift Hildegund Beckmann, Abschrift NR.
September 1934
Montag 24. Der ganze Tag vergeht mit Warten. Telegramm, daß sie erst Dienstag kommen.
Dienstag 25. Wir richten unentwegt alles noch einmal, endlich um 7 Abends fahren die 2 Autos an. Heßens kommen mit Hildegard zu einem kurzen Thee herauf. Nachher sehr vergnügter Schmaus mit den Enkele, alles wird aufgegessen.
Mittwoch, 26. Heßens lassen uns abholen zu einer Fahrt auf den Schauinsland. Er lenkt selbst den Wagen, eine herrliche Fahrt bei unglaublichem Sommerwetter. Oben Mittagessen, bei dem noch Leitgen und Hussong sind. Spaziergang und fröhliche Unterhaltung mit R.Heß, der uns auch wieder heim fährt.
Donnerstag 27. Mit Hildegard ins Strandbad...
Freitag, 28. Bad und großes Schauturnen im Stadion.
Samstag, 29. Gretel und Kinder sitzen in heiliger Erwartung bei uns, der „Rudi“ holt die ganze Jugend auf den Schauinsland, Susele kötzelt ein bissle im Auto, sonst verläuft alles herrlich. Heß und Werner schliessen sich als Männer zusammen. Suse frägt beim Essen „wer zahlt das alles?“ Sie kommen erst um 9 Uhr sehr befriedigt heim. Vater und ich im Bad.
Hassattacke. Nicht zu löschende Leerstelle.
Natürlich gabs nichts.
Nur ein Schreiben des StFs, dass Bonzenhaftes Wichtigtun und die kriecherische Presseberichterstattung ebendesselben zu unterlassen sei. Oder so ähnlich.
Zu erst dachte ich, das sei wie mit den "Liebesbriefen an Hitler". Da aber die hysterische Halluzination dieser Hitlerinnen, tschudligung, schlecht endete, von deren mehrere mit der Gestapo und dem Erbgesundheitsamt Bekanntschaft machten, nicht aber Mathilde Fath, schien mir Tagebuch und Kopie beides - erstaunlich.
Um ehrlich zu sein, halte ich das Aufschreiben wie das Abschreiben für erstaunlich.
gerade angesichts der Tatsache, daß im engeren Führungskreis wie im bloss hin Imaginierten in letzten Kriegstagen und in den Nackriegsjahren eine gewisse Vorsicht waltete. Gerade weil darin ein wenig Verantwortung mitschwingt, den Kopf hinhalten, auch dem Haß -
Nichtsdestotrotz weiß ich, daß eine Abschrift auf das darin gekürzte hin betrachtet werden sollte, dass der innere Übertragungsfluss geprüft werden muss - diesen Gedankengang kann ich nachvollziehen, auch wenn ich nicht der Ansicht bin, daß er eine Kopie als solche entwertet.
Das Problem der Authentizität, die eine Kopie eines Tagebuchs als Zeitzeugenprodukt zu entwerten scheint - ist das nicht das Ganze Problem der letzten Etappe der Ausstellung? Daß mit den dahinsterbenden Zeitzeugen das letzte glaubwürdige Zeugnis verschwindet?
Ist das nicht die abschliessende große Frage dieser Ausstellung?
Doch mich interessiert zuerst die Information und der Informationsfluss. Und ich meine: dieser ist noch garnicht ausgeschöpft: Hans- Jörg Risse und Ulrich Ritzel sind beide Persönlichkeiten, die je für sich in Anspruch nehmen, Zeitzeugen zu sein. Deren Wissen und Anspruch: "ich habe die Leute noch gekannt", es ihnen erlaubt "vielleicht auch literarisch nicht Uninteressantes" beitragen zu können.
HJ Risse, Sohn von Otto Risse arbeitet mit dem von der badischen Zeitung unterstützten nemoryproject:https://www.badische-zeitung.de/die-zeit-des-nationalsozialismus-praegt-das-leben-zweier-freiburger-bis-heute
und Ulrich Ritzel hat von der ZEIT bis zum Spiegel ein größeres journalistsiches Portefolio zu seinen Füßen.
Dagegen bin ich niemand, das weiss ich wohl, auch wenn ich sie gekannt haben mag.
Doch ist Dr.Josef Beckmann, Direktor des Freiburger Universitätsarchivs auch jemand gewesen, sowie seine Frau Hildegund Beckmann, Archivarin, meines Wissens, an eben jenem Universitätsarchiv. Also eine Typistin, könnte man sagen, mit gewisser Fachkenntnis.
Hildegund Beckmann, Schwester von Wolfgnag Ritzel, somit meine Großtante, beschreibt das Original folgendermaßen und gibt dabei den Grund an:
Zweites Innenblatt
"Dieses dicke Heft enthält die Abschrift des Tagebuchs unserer lieben und geliebten Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, jetzt auch schon Ur-Urgroßmutter Mathilde Fath, geborene Wallraff (6.12.1868 – 23.6.1945) In ihren Freiburger Jahren lag das Tagebuch auf ihrem Schreibtisch, woran wir Jüngeren uns noch gut erinnern, und fast täglich machte sie in dem Buch ihre Eintragungen mit ihrer wunderschönen gleichmäßgen Handschrift. ..
Ich machte die Maschinenabschrift in den Jahren 1991 und 1992. heuer, im Februar 1994 treffen
wir uns in Freiburg zu einem Familientag. Wir denken dabei an tante Gretel Risse, Großmutters zweite Tochter, die am 13.2.1994 100 Jahre alt würde. Am 10.2. ist der 68.Geburtstag von Suse Fink, Tante Gretels Tochter und am 19.2. ist Hildegard Fath, Großmutters Jüngste 85 Jahre alt. (..)
Die Abschrift des Tagebuchs gebe ich heute allen Enkeln der Schreiberin als Erinnerungsstück an die Großeltern und an unser Zusammensein, heute am 13.2.1994."
Angesichts der Verbrechen des Dritten Reiches und der Millionen Opfer scheint eine solche Familiensaga, mit ihren Reihenbildern anmaßend, zynisch und bestenfalls irrelevant.Eine solche abwehrende, jeden weiteren Kommentar unterdrückende Bewertung des Sachverhalts läßt sich der Berichterstattung in Frankreich wie dem Guardian sehr gut entnehmen.
ABER es gibt hier gewisse LÜCLEN in der Berichterstattung. ganz ohne Hassattacken.
Deswegen bin ich recht zufrieden, daß Hans-Jörg Risse den Schritt in die Öffentlichkeit gemacht hat. Denn es erlaubt mir nun, nach weiteren Bildern zu fragen, die noch viel unverständlicher sind, als der Besuch von Rudolf Hess, von dem in Freiburg NIEMAND weiss.





